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| Abschnittszusammenfassung |
|---|
| 1. Druckprofile in Silos |
| 2. Druckberechnung in Silos: Massestrom-Silos |
| 3. Druckberechnung in Silos: Trichterfluss-Silos |
| 4. Schlussfolgerungen |
Die Lagerung von Schüttgütern unterscheidet sich deutlich von der Lagerung von Flüssigkeiten. Während der Schüttgutfluss spezifische Eigenschaften aufweist, weicht auch der in einem Silo erzeugte Druck stark vom einfachen hydrostatischen Druck ab, wie er bei Flüssigkeiten berechnet wird. Dennoch ist das Verständnis der Druckprofilentwicklung in einem Silo – und insbesondere des Maximaldrucks – für Konstrukteure von entscheidender Bedeutung, um ein sicheres Silo für ein bestimmtes Material zu entwickeln. Diese Seite erläutert das typische Druckprofil in Schüttgutsilos, dessen Veränderungen in Abhängigkeit davon, ob das Silo befüllt, statisch oder in Entleerung ist, sowie die Abschätzung (Berechnung) des Druckprofils.
Hinweis: Dieser Artikel ist hauptsächlich qualitativ, und die angegebenen Gleichungen dienen der groben Modellierung der in der Realität beobachteten Phänomene. Er kann keinesfalls als Konstruktionsleitfaden betrachtet werden. Für die detaillierte Auslegung eines Silos ist die Anwendung veröffentlichten Normen (DIN, ISO usw.) zwingend erforderlich.
Die Berechnung des Druckprofils in einem Silo erfordert die vorläufige Bestimmung der Fließeigenschaften des Schüttguts mithilfe von Scherzellen (Jenike-Zellen). Weitere Informationen finden Sie hier: Scherzellen-Tests zur Messung der Fließfähigkeit: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Das erste, was beim Thema Druck in Silos zu verstehen ist, dass nicht ein einzelner Druck, sondern zwei verschiedene Drücke zu betrachten sind. Tatsächlich unterscheidet sich der Druck innerhalb der Schüttgutschüttung (vertikaler Druck) vom Druck, der auf die Silowände wirkt (Wanddruck). Diese Unterscheidung ist besonders bei der Siloauslegung von Bedeutung.
Der Druck ist im Silo selbstverständlich nicht konstant, unterscheidet sich jedoch grundlegend von der intuitiven Annahme eines linearen Anstiegs mit der Tiefe, wie dies bei hydrostatischem Druck der Fall ist. Zudem ist es entscheidend, zwischen einem Silo mit statischem Inhalt (kein Fluss) und einem entleerenden Silo (Fluss) zu unterscheiden, da sich das Druckprofil radikal ändert.
Bei fehlendem Fluss weist das Druckprofil in einem Silo folgende Merkmale auf:
Während der Entleerung des Silos ändert sich das Druckprofil grundlegend. Es bildet sich ein Übergangspunkt zwischen dem oberen Silobereich, der noch ein Druckprofil wie im statischen Zustand aufweist, und dem unteren Silobereich. Am Übergangspunkt (häufig am Beginn des Trichters) steigt der Druck dramatisch an und fällt dann bis auf 0 in der Nähe des Siloauslasses ab.

Bei Fluss weist das Druckprofil in einem Silo folgende Merkmale auf:
Es ist von entscheidender Bedeutung zu verstehen, dass der Druck am Übergangspunkt deutlich höher sein kann als der im statischen Zustand berechnete Druck. Dies bedeutet, dass das Silo für diese zusätzlichen Drücke auf die Wände in der Nähe des Übergangspunkts ausgelegt sein muss. Andernfalls wird das Silo letztlich versagen und bersten. Dies ist eine sehr häufige Ursache für Siloversagen. Der Ingenieur muss die entsprechenden Konstruktionsnormen befolgen, um die maximalen Drücke zu berechnen, denen das Silo standhalten muss – selbst bei einem bewährten Silo, wenn z. B. das zu handhabende Schüttgut gewechselt wird. Solche Berechnungen sind erforderlich, um sicherzustellen, dass das Design den neuen Kräften des Schüttguts standhält.
Die folgenden Abschnitte bieten Grundlagen zur Druckberechnung in Silos, sind jedoch für die detaillierte Auslegung und Konstruktion nicht ausreichend. Hierfür müssen Normen angewendet werden.
Die hier gezeigten Modelle und Formeln stammen hauptsächlich von Jansen, Jenike und Walker und sind in [Shamlou] dokumentiert.
Die Drücke können mit den Gleichungen von Jansen modelliert werden:
P_v = ρ_b · g · A / (μ · K · C) [1 – e^(–(K·μ·C/A)·h)]
P_w = P_v · K
K = (1 – sin φ) / (1 + sin φ) = tan²(π/4 – φ/2)
Mit:
P_v = Vertikaldruck in der Schüttung
ρ_b = Schüttgutdichte
g = Erdbeschleunigung
A = Querschnittsfläche des Schachts
μ = Wandreibungsbeiwert (tan φ_w)
K = Verhältnis von seitlichem zu normalem Druck im Schacht
C = Umfang des Schachts
h = Höhe
P_w = seitlicher Wanddruck
φ = Winkel der inneren Reibung
φ_w = Wandreibungswinkel
Die Drücke können mit den Gleichungen von Walker modelliert werden:
P_v = ρ_b · g · [(P_vo / (ρ_b · g)) + h]
Pw = Pv.K
K = tan α / (tan φw + tan α)
Dabei gilt:
Pv = Vertikaldruck innerhalb der Schüttung
ρb = Schüttgutdichte
g = Erdbeschleunigung
K = Verhältnis von horizontalem zu vertikalem Druck im Bunker
h = Höhe
Pw = horizontaler Wanddruck
φw = Wandreibungswinkel
α = halber Trichteröffnungswinkel
Laut Literatur neigen diese Gleichungen dazu, den Wanddruck zu überschätzen.
Der maximale Druckanstieg an der Wand, der beim Übergang vom statischen zum dynamischen Spannungsfeld auftritt, kann mit folgender Gleichung abgeschätzt werden:
Pw(max) = A·ρb·g·C / (tan φw[1 - (R - Q)·tan φw/Mi]
Kh = ν / (1 - ν)
S0 = 1 / (μ·K·(1 - exp(-[μ·K·h_s·C/A])))
R + Q = S0- N → Q = S0- N - R
N = 2ν / (μ·M)2(i - 1)
M = √(2(1 - ν))
ν = K / (1 + K) für axialsymmetrische Strömung
ν = (K + 2 - √(4 - 3K²)) / (2(K + 1)) für ebene Strömung
Z = H - h_s / Mi(A / C)
x = 2i sin(δ/1) - sin δ [sin(2β + α) / sin α + 1]
h_s = 0,6H für axialsymmetrische Strömung
h_s = 0,5H für ebene Strömung
Dabei gilt:
Pw = horizontaler Wanddruck
ρb = Schüttgutdichte
g = Erdbeschleunigung
A = Querschnittsfläche des Bunkers
μ = Wandreibungsbeiwert (tan φw)
K = Verhältnis von horizontalem zu vertikalem Druck im Bunker
C = Umfang des Bunkers
h = Höhe
Pw = horizontaler Wanddruck
φ = innerer Reibungswinkel
φw = Wandreibungswinkel
i = 1 für axialsymmetrische Strömung
i = 0 für ebene Strömung
h_s = Höhe, in der der maximale Druckanstieg auftritt
H = Bunkerhöhe
Unterhalb des Übergangs wird der Druck für Auslegungszwecke als gleich dem oben berechneten maximalen Spitzenwert angenommen. Oberhalb des Übergangs bis zur Silooberkante kann der Druck über die Jansen-Formel (siehe 2.1.1.1) abgeschätzt werden.
Die folgenden Gleichungen können zur Abschätzung des Drucks im Trichterbereich eines Silos während der Entleerung verwendet werden:
Pv = ρb·g·h/(K2-1)[1-(h0/h)K₂-1] + Pv₀(h/h0)K₂
Pw = K1*(ρb.g.h/(K2-1)[1-(h0/h)K₂-1] + Pv₀(h/h0)K₂)
K1 = (1 + sin δ cos 2β)/[1- sin δ cos(2α + 2β)]
K2 = 2(K3-1)
K3 = K1[(tan α + tan φ_w)/tan α]
Mit
Pv = Vertikaldruck innerhalb der Füllung
ρb = Schüttgutdichte
g = Erdbeschleunigung
h = Höhe
h₀ = Höhe des konvergierenden Abschnitts des Silos
Pw = seitlicher Wanddruck
Pv₀ = vertikaler Auflastdruck an der Oberkante des Trichters
α = Trichterhalbwinkel
β = Winkel zwischen der Hauptspannungsrichtung und der Normalen zur Trichterwand
δ = effektiver innerer Reibungswinkel
φw = Wandreibungswinkel
Diese Formeln werden zu Erklärungszwecken der Druckphänomene in Silos genannt. Sie ermöglichen eine qualitative Darstellung der Druckschwankungen und die Tatsache, dass sich der Druck während der Entleerung grundlegend von dem Druck unter statischen Bedingungen unterscheidet. Allerdings sind sie nicht sehr präzise und sollten nicht als solche für die Siloauslegung verwendet werden. Der einzig zulässige Weg zur Auslegung eines neuen Silos besteht darin, Normen und Bauvorschriften mit aktualisierten Korrelationen und angemessenen Sicherheitsfaktoren zu befolgen, zum Beispiel:
Trichterfluss-Silos weisen ein deutlich komplexeres Strömungsmuster auf als Massenfluss-Silos, was die Abschätzung der Drücke im Silo erschwert. Es gibt tatsächlich Bereiche mit Fließbewegung, typischerweise im Kern des Silos, und Bereiche ohne Fließbewegung an den Seiten. Allerdings sind diese Grenzen nicht fest, was bedeutet, dass die statischen Bereiche gelegentlich fließen können. Dadurch kann der Wanddruck plötzlich von niedrigen Werten auf sehr hohe Drücke ansteigen. Zudem führen verschiedene Geometrien von Trichterfluss-Silos zu unterschiedlichen Strömungsmustern und damit zu unterschiedlichen Druckprofilen.
Die Auslegung eines Silos umfasst mehrere Schritte. Einer der Schritte besteht darin, den Trichterwinkel und die Öffnungsgröße des Silos festzulegen. Ein weiterer Schritt ist die Berechnung des Druckprofils im Silo, damit die statische Berechnung des Silos korrekt durchgeführt werden kann. Diese Seite gibt allgemeine Erklärungen dazu, wie sich Druckprofile in Silos entwickeln, sowie einige grundlegende Modelle. Da jedoch in Silos potenziell hohe Drücke entstehen können, die zu Versagen führen, müssen Ingenieure immer auf spezialisierte Unternehmen zurückgreifen, die Normen zur effizienten Auslegung der Behälter anwenden können.
[Shamlou] Handling of Bulk Solids, P.A. Shamlou, Butterworths, 1988